Linux – die stille Revolution in der EDV

Linux war lange Zeit nur etwas für Freaks, für Bastler und Informatiker. Doch nun wird Linux aufgrund zahlreicher Vorteile und steigender Benutzerfreundlichkeit auch für herkömmliche Anwender und Nutzer interessant.

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Linux – die stille Revolution in der EDV

Linux dringt derzeit verstärkt in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. War es bisher eher ein Thema für Spezialisten, so interessieren sich aktuell auch immer mehr Firmen dafür, so z. B. Siemens, Linde, die Deutsche Flugsicherung und das Bayerische Dachziegelwerk Bogen. Auch Städte wie Schwäbisch Hall und München stellen ihre EDV auf das freie Betriebssystem um. Als Gründe für diesen Schritt werden vor allem die hohe Stabilität und Flexibilität, gepaart mit einer deutlichen Kosteneinsparung, genannt. So sparen Linuxanwender bei IT-Investitionen bis zu 30% Kosten für EDV ein. Grund genug, dieses Thema einmal etwas genauer zu beleuchten.

Was ist dran an Linux?

Linux ist in der IT- und Elektronikbranche schon länger ein Geheimtip. Betrachten wir uns einige konkrete Anwendungsbeispiele, um die Einsatzgebiete dieses Neulings abschätzen zu können. Wenn Sie auf einem Parkplatz ein Ticket ziehen, wird der Automat womöglich schon von Linux gesteuert. Wenn Sie mit einem aktuellem Handy telefonieren, könnte die Software darin schon Linux sein. Wenn Sie sich im Internet bewegen, werden Sie sehr oft von einem Linux-Server bedient, von einem Linux-Router weitergeleitet und von einer Linux-Firewall gegen Angriffe geschützt. Die Wahrscheinlichkeit, dass in Ihrer Firma die Daten auf einem Linux-Server gespeichert werden, liegt bei 30%. Großrechner für die Forschung und den Wetterdienst laufen unter Linux. Die Crashsimulation für Ihr nächstes Auto wird wahrscheinlich auf einem Linux-Cluster errechnet. Diese Aufzählung zeigt, wie breit Linux bereits in alle Bereiche der Automation und IT Einzug gehalten hat.

Warum ist das so?

Eine wesentliche Grundlage für den Erfolg von Linux ist sicherlich seine freie Verfügbarkeit und die Offenheit der Programmquellen. So kann jeder Linux nach seinen Bedürfnissen verändern und einsetzen.

Wenn Sie einen IT-Linux-Administrator nach seinen Erfahrungen fragen, wird er Ihnen neben diesem Argument wohl noch die gute Leistungsbilanz von Linux nennen. Denn Linux läuft auch auf relativ leistungsschwacher Hardware mit einer sehr beachtlichen Geschwindigkeit. Das reduziert die Kosten für Hardwareanschaffung und Pflege erheblich. Ein weiterer Grund für die Beliebtheit des Neulings dürfte seine hohe Stabilität sein. Im Internet-Einsatz laufen Linux-Server typischerweise im 7/24 Betrieb (7 Tage pro Woche, 24 Stunden pro Tag). Die Uptime, das heißt die Zeit, die ein Server ohne Unterbrechung läuft, liegt dabei in der Regel zwischen zwei und vier Jahren. Und schließlich der Kostenvorteil. Da für Linux keine oder nur geringe Lizenzgebühren anfallen, kann sich hier der Kostenvorteil gegenüber herkömmlichen Betriebssystemen schnell in den zweistelligen Eurobereich hinein entwickeln. Dabei gibt sich Linux auch mit weniger Hardwareleistung zufrieden. In Zeiten knapper EDV-Budgets also ein schlagkräftiges Argument.

Woher kommt Linux und wer steht dahinter?

Linux ist ein Unix-Abkömmling. Auch wenn es selbst schon mehr als zehn Jahre alt ist, setzt es mit dem Unix-Standard auf eine mehrere Jahrzehnte alte und bewährte EDV-Technologie. Mit der Arbeit an Linux begonnen hat der IT-Student Linus Torwalds vor ungefähr 15 Jahren. Er wollte ein kleines Betriebssystem für seinen eigenen Bedarf entwickeln. Dabei hat er sich an den damaligen Unix-Standards orientiert. Schnell ist das Projekt in Dimensionen gewachsen, die ein einzelner nicht mehr bewältigen konnte. Als das Internet Anfang 1990 die Kommunikation in IT-Kreisen revolutionierte, gab er deshalb sein bis dahin entwickeltes Linux im Internet zur freien Nutzung und weiteren Entwicklung frei. Schnell erkannten viele Programmierer und IT-Fachleute an Universitäten und Forschungseinrichtungen das Potenzial von Linux und klinkten sich in die Weiterentwicklung mit ein. Eine weltweite Gemeinde an Programmierern aus Universitäten, Firmen und Forschungseinrichtungen treibt das Projekt seither voran. Linux und das Internet haben sich dabei von Anfang an gegenseitig befruchtet. Der hohe Bedarf an leistungsfähigen, aber billigen Servern in diesem Bereich, hat zu einer sehr schnellen Verbreitung von Linux geführt. Die wachsenden Anforderungen aus diesem Bereich an das Betriebssystem haben andererseits seine Weiterentwicklung und Anpassung auf die verschiedensten Hardwareplattformen stark vorangetrieben. Dann wurden die Hardwarehersteller auf Linux aufmerksam. Schnell war klar, Linux würde sich ein nennenswertes Stück vom Markt sichern. Dieses Segment wollte natürlich keiner der großen Hardware-Hersteller verlieren. Inzwischen unterstützen Firmen wie IBM, HP, Novell, Oracle, Cisco und viele weitere Linux ganz offiziell. Sie alle bieten ihre Hardware, Software oder Dienstleistungen für Linux an und gewährleisten dem Kunden einen reibungslosen Betrieb seiner EDV in Verbindung mit Linux.

Ist Linux reif für den Einsatz im Unternehmen?

Ja. Vor allem auf Servern leistet Linux schon in vielen Unternehmen seinen Dienst. Viele Benutzer arbeiten bereits mit Daten-, Druck- und Fax-Servern unter Linux, manchmal ohne es zu wissen. Seine Stabilität und Skalierbarkeit macht es neben den niedrigen Anschaffungs- und Unterhaltskosten zu einem Dauerbrenner auf diesem Gebiet. Aber auch in der IT-Infrastruktur wie Firmenvernetzung, VPN (Virtual Privat Network) und dem Internet ist Linux schon heute nicht mehr wegzudenken.

Auf dem Desktop ist Linux allerdings noch sehr wenig verbreitet. Hier wirkt sich die starke Bindung der Kunden an die Windows-Applikationen hemmend aus. Auch wenn Linux im Officebereich alles bietet, was der Anwender im täglichen Geschäftsleben benötigt, zögern viele noch mit dem Umstieg.

Positiv könnte sich hier auswirken, dass auch die Migration von Windows 98 oder NT- beide Versionen sind noch weit verbreitet – auf das aktuelle Windows XP nicht ohne Schwierigkeiten für den Anwender zu bewerkstelligen ist und damit einen Umstieg nach Linux nicht mehr so aufwendig erscheinen lässt.

Zusammenfassend kann man sagen – Linux kann in vielen Bereichen eines Unternehmens, gleich welcher Größe, eingesetzt werden. Zu prüfen ist allerdings, wann und wo Linux sinnvoll integriert werden kann. Nicht der große Rundumschlag ist hier aus unserer Sicht sinnvoll, sondern eine sanfte Migration, die auf die Anforderungen und den Entwicklungsprozess der jeweiligen Unternehmens-EDV Rücksicht nimmt und sowohl die IT-Administratoren wie auch die Anwender schonend an die neue Umgebung heranführt.

Wie sieht die Zukunft aus?

Da Linux nicht an den kommerziellen Erfolg einer Herstellerfirma gebunden ist, wird sich seine Entwicklung auch weiterhin stark an den Bedüfnissen der Nutzer orientieren. Und neben den großen Unternehmen, die Linux unterstützen, hat sich in Deutschland ein flächendeckendes Netz aus Systemhäusern gebildet, die qualifizierte Beratung und Support für Linux bereitstellen. Linux wird also seine Position im IT-Markt noch ausbauen können. Eine Entwicklung, von der auch Nicht-Linuxnutzer provitieren werden. Denn der stärkere Wettbewerb wird auch bei den Konkurrenten von Linux zu mehr Qualität, Innovation und zu sinkenden Preisen führen!

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Werner Scharinger — soft & hard Computerservice GmbH
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(Geschäftsführender Gesellschafter) veröffentlichte den Ratgeber Linux – die stille Revolution in der EDV in IT Software am , zuletzt aktualisiert am 30. Oktober 2014, seit 01.11.2013 69 mal aufgerufen.
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