Die Krawatte – ein schönes Stück am Mann

Krawatten geraten leider in vielen Schichten aus der Mode. Dabei hat die Krawatte neben einer interessanten Geschichte so viel Mode und Ausdruck.

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Die Krawatte – ein schönes Stück am Mann

Die Lust am Schlips ist ungebrochen, der Mann trägt das einzige, wirklich originär männliche Accessoire mit Freude, bisweilen Stolz.

Wichtig sind ihm Farbe und Motiv sowie ein formvollendeter Knoten.

Man(n) trägt die Krawatte mit Stil, Würde und Selbstbewusstsein. Voraussetzung dafür sind, dass die Krawatte formvollendet gebunden, die Breite und das Material mit passendem Knoten auf die Kragenform des Hemdes abgestimmt sein soll.

Erst dann entfaltet die Krawatte ihre das „Gesamtkunstwerk Mann“ so eindrucksvoll unterstreichende Detailwirkung.

Kleine Geschichte des Langbinders

„Croate – Cravate – Krawatte“

Plötzlich war sie da. Völlig unvermittelt betrat sie die Kulturgeschichte Mitteleuropas und eroberte sie im Sturm. Bis heute ist dieser – inzwischen weltweite – Siegeszug nicht abgerissen, die Rede ist von der Krawatte. Jener einszwanzig bis einsfünfzig lange „Kulturstrick”, wie er in Deutschland lange Zeit eher abfällig denn wertschätzend bezeichnet wurde. Kein geringerer als der französische Schriftsteller Honoré de Balzac würdigte und adelte ihn, als er schrieb:

„Der Mann ist so viel wert wie seine Krawatte – das ist er selbst, durch sie verhüllt er sein Wesen, in ihr manifestiert sich sein Geist.”

Das war 1827 – zu dieser Zeit feierte die Krawatte ihren mindestens 170. Geburtstag. Folgt man der einschlägigen Literatur, dann lässt sich die Urform des heute üblichen Langbinders in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückdatieren, als in Mitteleuropa der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) wütete.

Kroatische Söldner sollen damals Halstücher getragen haben, die vor der Brust verknotet waren. Dieses Outfit – wie wir heute sagen – erinnert stark an die „Focales“, jene Schals, die römische Legionäre etwa zur Zeit Christi Geburt getragen haben. Die im Jahre 113 in Rom errichtete Trajansäule beweist, dass eine , der Krawatte ähnlichen Halsbinde, schon in der klassischen Antike Mode war. Die fast 30 Meter hohe marmorne Ehrensäule verewigt die Krieger der Kohorten von Marcus Ulipus Traianus (53-117), römischer Kaiser seit 98. Diese plastische Darstellung als ältester Nachweis in der Geschichte der Krawatte galt eben bis 1974.

Das wäre vermutlich bis heute so, hätte nicht just in diesem Jahr ein chinesischer Bauer in der Nähe der alte Hauptstadt Xi’an versucht, einen Brunnen zu graben. Er stieß auf einen sensationellen Schatz: Eine Armee von etwa 7500 Terrakotta-Soldaten umgibt die monumentale Grabanlage des erste chinesischen Kaisers Shih Huang TI (angehendes 3. Jahrhundert vor Christi).

Die Soldaten sind so exakt nachgebildet, dass selbst der Faltenwurf der um den Hals geschlungenen Tücher deutlich mit sichtbar ist. Die Welt hatte ihre Sensation und die Geschichte der Krawatte war auf einen Schlag um einige Jahrhunderte älter.

Zurück zu den Kroaten des Dreißigjährigen Krieges, anno 1648. In Frankreich bestieg Ludwig der XIV. den Thron, er war allem schönen zugetan, war der Sonnenkönig und der Ahnherr der „neuen Krawatte”.

Der eitle Monarch soll die „Cravates“ um 1660 bei den Kroatischen Söldnertruppen seiner königlichen Armee entdeckt haben. Diese Cravates wurden am Hof eifrig nachgebunden. Hierzu dienten edelste Stoffe wie Brokat und Spitzen, um eine Cravatte zu binden.

Im 17. und 18. Jahrhundert beschäftigt sich nun auch England, wo die gigantischen Schals als Serviettenmode bekannt wurde. Hier ändert sich die Krawattenmode erneut gänzlich zum „Four in hand”, dem Langbinder. Künftige Majestäten wie Edward, Prinz von Wales, wurden 1876 schon mit dem Langbinder fotografiert. Herren waren mit Schlips gekleidet, so wollte es die Etikette.

Die Krawatte von heute ist ein ausdrucksstarkes Modeattribut mit „persönlicher Note”.

„Eine schöne oder ungewöhnliche Krawatte ist einfach ein Kommunikationsartikel, sie löst Gespräche aus – im Restaurant, beim Meeting, einfach überall.”

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Herrmann Held — Hemd und Krawatte

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